Zwangsstörungen

Zwangsstörungen sind Störungen, die durch wiederkehrende, aufdringliche und unerwünschte Ideen, Impulse oder Bilder gekennzeichnet sind.

Von dem/der Betroffenen werden diese als unheimlich, dumm, abscheulich oder schrecklich erlebt und es wird ein Drang ausgelöst, etwas zu tun, um das Unbehagen zu lindern. Auf einen so genannten Zwangsgedanken erfolgt eine Zwangshandlung.

Zwangsstörungen treten bei Frauen und Männern in gleicher Häufigkeit auf und betreffen circa 1% der deutschen Bevölkerung in einem Halb- Jahres- Zeitraum.

Den meisten Menschen sind Zwangsstörungen wie Waschzwang, Putzzwang oder Kontrollzwang ein Begriff.

Ob es sich dabei um eine "liebenswerte Marotte" oder eine wirkliche Zwangshandlung handelt, kann nur durch Fremd-oder Eigenbeobachtung geklärt werden. Auch wenn einem außenstehenden Beobachter die Zwangshandlungen eines Betroffenen als amüsant vorkommen, sollte man sich immer bewusst machen, dass die ritualisierte Lebensweise den Betroffenen in seiner Lebensführung einschränkt und ihn psychisch schwer belastet.

Symptomatik

Das alles überspannende Thema von Zwangsgedanken sind Risiko, Schaden und Gefahr, weitere Themen sind Verschmutzung, Zweifel, Aggression und Verlust. Typisch für eine Zwangsstörung ist, dass sich der/die Betroffene genötigt fühlt, vorsätzliche, zielstrebige und wiederholte Handlungen, so genannte Ritual zum Ausgleich des Zwangs durchzuführen. Waschen gleicht Verschmutzung, Überprüfen, Zweifeln und Horten gleichen Verlust aus. Betroffene gehen Menschen aus dem Weg, wenn sie befürchten, ihnen gegenüber aggressiv zu werden.

Die durch Zwangsstörungen entstandenen fixe Ideen können sich auf alles beziehen und die Rituale müssen nicht unbedingt mit dem zwanghaften Unbehagen gekoppelt sein, das sie lindern. So kann zum Beispiel das Unbehagen spontan abgeklungen sein, nachdem ein Betroffener mit Angst vor Verschmutzung seine Hände in die Taschen seiner Jacke oder Hose gesteckt hat.

Es ist in der Folge nur konsequent, wenn er ab diesem Zeitpunkt immer die Hände in die Taschen steckt, wenn die fixe Idee der Verschmutzung auftritt. Die meisten Rituale, wie das Waschen der Hände, oder die Kontrolle von Schlössern sind beobachtbar, andere hingegen nicht, wie zum Beispiel fortwährendes Zählen oder vor sich hingemurmelte Aussprüche mit dem Ziel, Gefahr abzuwehren. Den meisten Betroffenen ist klar, dass ihre fixen Ideen keine echten Gefahren sind und dass sie mit ihrem Verhalten, mit dem sie den inneren Druck verringern, irrational und übertrieben, manchmal sogar bizarr ist.

Trotzdem können sie nicht davon lassen und werden unter unerträglich großen Stress gesetzt, wenn ihnen die Durchführung ihrer Rituale versagt wird. Sehr oft verbergen Betroffene ihre Zwangsgedanken und die zugehörigen Rituale, mit denen sie täglich viele Stunden verbringen, aus Angst davor, in Verlegenheit zu kommen oder stigmatisiert zu werden. Als Folge- oder Begleiterscheinung tritt in vielen Fällen eine Depression und Vereinsamung auf.

Schulmedizinische Therapie

Die Expositionstherapie gilt bei Zwangsstörungen derzeit als das Mittel der Wahl. Bei dieser Therapieform werden die Betroffenen in die Konfrontation mit den Situationen und Menschen gebracht, die das Unbehagen, die Zwangsgedanken und die Rituale auslösen. Dadurch treten die Rituale verspätet oder gar nicht auf.

Die Angst bildet sich langsam zurück und weicht der Gewöhnung. Der/die Betroffene lernt, dass die Rituale zur Linderung des Unbehagens unnötig sind. In den meisten Fällen bleiben die erreichten Fortschritte nach Beendigung der Therapie bestehen, wahrscheinlich auch, weil die Betroffenen die erlernte Selbsthilfe in ihr weiteres Leben integrieren.

Auch eine andere Therapiekombination verspricht Erfolge: Eine mit Pharmakotherapie gekoppelte Verhaltenstherapie. Als wirksame Medikamente gelten:

  • Serotonin - Wiederaufnahme Hemmer
  • selektive Serotonin - Wiederaufnahme Hemmer
  • Clomipramin

Meist reichen kleinen Dosen der genannten Medikamente zur begleitenden Linderung aus.